Donnerstag, 16. Oktober 2008

Das war zu wenig!

Bernhard Kohl hat gestanden, bei der Tour de France gedopt gewesen zu sein. Warum aber sträuben sich dopende Sportler so oft ihre Hintermänner zu nennen und nehmen die ganze Schuld auf sich allein?

Ich habe letztens sinngemäß geschrieben, dass ich mit Sportlern Mitleid hätte, die ihren Sport lieben, aber einem Sport verfallen sind, bei dem ohne Doping keine Spitzenplätze erreichbar sind. Radfahren beispielsweise. Kohl liebt seinen Sport und will natürlich auch gerne um Spitzenplätze mitfahren. Wer will das nicht. Und dafür MUSS er dopen.

ABER: Wenn man schon auffliegt. Warum tun die erwischten Dopingsünder nichts dazu, dass "IHR" Sport wieder ehrlicher wird und retten dessen Ruf etc. Insofern revidiere ich meine obige Aussage. Denn wenn Kohl wirklich etwas am Radsport liegt, dann nennt er hoffentlich auch bald seine Hintermänner.

Bei der gestrigen Pressekonferenz hat Kohl einzig gestanden, was er so oder so nicht mehr abstreiten konnte. Leugnen wäre nur noch peinlicher geworden.

Bernhard Kohl hat die Chance in Österreich weiterhin Ansehen genießen zu dürfen und muss nicht in irgendeine depressive Exil-Gesellschaft abtauchen, wenn er jetzt richtig reagiert. Immerhin hat er keine "Zahnpasta"-Geschichte aufgetischt. Viele finden Kohl immer noch sympathisch. Wenn er aber die 0815-Doping-Rechtfertigungen bringt, dann kann sich das sehr schnell ändern. Es gibt nichts, was speziell Radsportfans mehr satt hätten.

Ich persönlich hätte eine extreme Wut auf das System in das ich da - natürlich nicht ohne mein Zutun - hinein gerutscht bin. Was hindert diese Sportler hier endlich Klarheit in die Doping-Sache zu bringen. Werden sie bedroht? Ich würde alle auffliegen lassen, die mich in diese Bredouille gebracht haben.

Für Kohl hoffe ich, dass er das nötige "Material" hat, um derartige Offenlegungen machen zu können. Systematisches Doping dürfte es in seinem Umfeld ja scheinbar nicht gegeben haben. Wenn er nur ein kleiner Ösi war, der auch mal ein paar Pillen schmeißen wollte und das wars, dann schaut es schlecht für ihn aus. Er hat sich also hoffentlich gemerkt woher er seine Dopingmittel bekommen hat und gibt dies bekannt.

Anders wird das nicht besser. Manchmal frage ich mich allerdings, ob die Radfahrer überhaupt ein anderes System ohne Doping haben wollen. Ich würde einen Streik ausrufen, wenn ich das Zeug nehmen müsste um vorne mit dabei zu sein. Offensichtlich beugen sich aber die meisten Spitzensportler und schlucken das Zeug einfach. Gut dotierte Verträge sind wohl verlockender, wie man bei Kohl gesehen hat.

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